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FES-Impulspapier: „Wir erwarten mehr: Zeit für eine entschlossene Gleichstellungspolitik!“
Ein neues Impulspapier der Friedrich-Ebert-Stiftung nimmt die aktuellen zeitpolitischen Vorhaben der Bundesregierung unter die gleichstellungspolitische Lupe und konstatiert: „Die von der Bundesregierung geplanten Maßnahmen drohen – entgegen dem im Koalitionsvertrag formulierten Ziel – die Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu verschlechtern und so den Gender-Working-Time-Gap und den Gender-Care-Gap zu verschärfen.“ Ricarda Scholz, Projektleiterin vom Projekt „Vereinbarkeit von Familie und Beruf gestalten“ der BSFT-Mitgliedsorganisation DGB ist Mitautorin des Papiers.
Die Autorinnen analysieren insbesondere die Pläne der Bundesregierung zur Einführung einer wöchentlichen Höchstarbeitszeit: Da voraussichtlich Männer eher als Frauen länger arbeiten würden und solange Maßnahmen für eine gleiche Verteilung von unbezahlter Sorgearbeit ausbleiben, würde eine derartige Änderung des Arbeitszeitgesetzes die Doppelbelastung von Frauen verschärfen, mit dem Risiko, dass sie sich aus der Erwerbsarbeit zurückziehen.
Die Autorinnen heben zudem die Funktion der täglichen Arbeitszeitgrenze als Arbeitsschutzmaßnahme hervor, welche den Bedürfnissen der Beschäftigten entspricht. Sie unterstreichen eine weitere Erwägung für die Beibehaltung der geltenden Regelung gerade im Sinne von Geschlechtergerechtigkeit: Arbeitsfreie Zeit ermöglicht Frauen politisches Engagement und demokratische Teilhabe.
Die Autor*innen des Impulspapiers konstatieren, dass eine selbstbestimmte und lebensphasenorientierte Arbeitszeitgestaltung notwendig ist, die Erwerbs‑ und Sorgearbeit zusammendenkt: Rückkehrrecht aus Teilzeit, verlässliche und ausgebaute Betreuungsangebote, familiengerechte Arbeitszeiten, gute Pflegeinfrastruktur – und echte Partnerschaftlichkeit zwischen den Geschlechtern. Denn: „Eine zukunftsfähige Zeitpolitik erfordert die enge Verzahnung von Arbeits-, Wirtschafts- und Gleichstellungspolitik.“