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Gender Convergence im Arbeitsmarkt

Laut eines Artikels von Sena Coskun im IAB-Forum nähern sich in vielen Ländern Männer und Frauen in Beschäftigungsraten, Arbeitszeiten und Einkommen zunehmend an – vor allem dank der steigenden Erwerbsbeteiligung von Frauen seit Mitte des 20. Jahrhunderts.

Trotz dieser Fortschritte bestehen weiterhin deutliche Ungleichheiten, etwa bei der Berufswahl, beim Gehalt und bei Aufstiegschancen. Ein paradoxes Muster zeigt sich dabei besonders deutlich: Während Frauen und Männer häufiger in denselben Berufen arbeiten, nimmt die ungleiche Verteilung von Männern und Frauen zwischen den Wirtschaftssektoren ganzer Branchen sogar zu. Ob dies auf Diskriminierung oder individuelle Präferenzen zurückzuführen ist, bleibt eine zentrale Frage für die Forschung – mit weitreichender Bedeutung für die Gleichstellungspolitik.

Um perspektivisch berufliche Nachteile durch Mutterschaft zu vermeiden, wählen viele Frauen von vornherein Branchen aus, in denen sich Job und Familie besser vereinbaren lassen. Sie orientieren sich dabei an ihren Vorstellungen zur Familienplanung und daran, wie familienfreundlich ein Arbeitsumfeld wirkt. Das führt oft dazu, dass Frauen schon früh in ihrer Karriere zwischen Kind und Karriere abwägen.

Ein allgemeiner Konsens besteht darüber, dass ein Großteil der verbleibenden geschlechtsspezifischen Beschäftigungslücke auf Einkommensverluste im Zusammenhang mit Mutterschaft zurückzuführen ist. Nach der Geburt ihres ersten Kindes müssen Mütter im Vergleich zu Vätern erhebliche Einkommensverluste hinnehmen, was vor allem auf niedrigere Beschäftigungsquoten oder Teilzeitarbeit zurückzuführen ist – ein Effekt, der gemeinhin als „motherhood penalty“ („Mutterschaftsstrafe”) bezeichnet wird.