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Bertelsmann Stiftung: Mehr Erwerbsarbeit lohnt sich für Frauen ab 45 oft nicht
Michaela Herrmann, Fiona Herrmann, Dr. Lavinia Kinne und Prof. Dr. Katharina Wrohlich haben für ihre Studie „Erwerbsbeteiligung von Frauen ab 45 – Empirische Evidenz zum Einfluss finanzieller Anreize“ Frauen im Alter von 45 bis 66 Jahren zu den Gründen für ihre Nicht- oder Teilzeiterwerbstätigkeit sowie zu ihrer Einschätzung der optimalen Arbeitszeit in verschiedenen Alternativszenarien befragt. Die Studienergebnisse liefern wichtige Erkenntnisse für die Debatte um Maßnahmen zur erhöhten Erwerbsbeteiligung von Frauen.
Rund 50 Prozent der teilzeitbeschäftigten und knapp 35 Prozent der nicht erwerbstätigen verheirateten Frauen gaben an, dass sich eine Erhöhung der Arbeitszeit für sie finanziell nicht lohnt. Die Autorinnen schlussfolgern: „Eine getrennte Veranlagung von Ehepartnern könnte die Erwerbsquote um knapp 1,5 Prozentpunkte erhöhen und das Arbeitsvolumen um ca. 3 Prozent steigern – unterm Strich entspräche das bis zu 175.000 zusätzlichen Vollzeitstellen. Geteilte Sorgearbeit und gute Arbeitsbedingungen verstärken den Effekt – unter solchen Voraussetzungen steigt der Anteil der Frauen, die sich Vollzeit (39 Stunden) vorstellen können, deutlich.“
Weitere Gründe für Nichterwerbstätigkeit sind – absteigend nach Häufigkeit – gesundheitliche Limitationen, Belastungen körperlicher Art bzw. Stress, belastende Arbeitsbedingungen, der Wunsch nach mehr Zeit mit der Familie, psychische Gesundheitslimitationen, Frühberentung, Zeit für Hobbys, die Pflege von Erwachsenen, Kinderbetreuung und Zeit für das Ehrenamt.
Einige dieser Faktoren schlagen für Alleinerziehende wesentlich stärker aus. Neben fehlender finanzieller Attraktivität zählen insbesondere der Wunsch nach mehr Zeit mit der Familie, Stress durch Mehrarbeit und die Unmöglichkeit der Stundenerhöhung zu den häufigen Gründen für Teilzeitbeschäftigung statt Vollzeit.
Im Szenario einer hälftigen Aufteilung der Sorgearbeit im Paar wählen Frauen seltener die Minijob-Option oder keine Erwerbstätigkeit und stattdessen häufiger Teilzeit- oder Vollzeitbeschäftigung.