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„Lifestyle-Teilzeit“: Bündnis widerspricht verkürzter Debatte
In mehreren Social-Media-Beiträgen auf Instagram und LinkedIn hat das Bündnis Sorgearbeit fair teilen klargestellt, dass die aktuelle Diskussion um „Lifestyle-Teilzeit“ zu kurz greift und zentrale Zusammenhänge verkennt, denn viele Beschäftigte arbeiten nicht freiwillig in Teilzeit.
Eine Studie von Prognos zeigt, dass rund die Hälfte der erwerbstätigen Mütter mit kleinen Kindern ihre Arbeitszeit gerne erhöhen würde, wenn die Rahmenbedingungen besser wären. Fehlende Kinderbetreuung und wenig familienfreundliche Arbeitszeiten sind dabei wesentliche Hürden.
Aus Sicht des Bündnisses ist Teilzeit kein Ausdruck mangelnder Leistungsbereitschaft, sondern die Folge ungleich verteilter Sorgearbeit. Noch immer übernehmen Frauen den Großteil der Care-Arbeit – und reduzieren entsprechend ihre Erwerbsarbeitszeit.
Statt den Zugang zu Teilzeit einzuschränken, spricht sich das Bündnis für bessere Voraussetzungen für eine faire Verteilung von Erwerbs- und Sorgearbeit aus. Dazu gehören u.a. sorgeorientierte Arbeitszeitmodelle, gute Kinderbetreuung sowie Weiterentwicklungen beim Elterngeld und bei Pflegeleistungen.
Zugleich weist das Bündnis auf einen zentralen Denkfehler in der öffentlichen Debatte hin: Sinkende durchschnittliche Arbeitszeiten werden oft vorschnell als Beleg dafür gewertet, dass „weniger gearbeitet“ wird. Tatsächlich zeigt ein einfaches Rechenbeispiel das Gegenteil: Wenn zunächst 100 Personen jeweils 40 Stunden arbeiten und später weitere 100 Personen mit je 20 Stunden hinzukommen, sinkt zwar die durchschnittliche Arbeitszeit von 40 auf 30 Stunden. Gleichzeitig steigt das gesamte Arbeitsvolumen jedoch deutlich von 4.000 auf 6.000 Stunden, weil heute mehr Menschen erwerbstätig sind – und zwar insbesondere Frauen, die häufig in Teilzeit arbeiten.
Das Problem liegt also nicht in der so genannten „Lifestyle-Teilzeit“, sondern in strukturellen Rahmenbedingungen und der ungleichen Verteilung von Sorgearbeit. Wer dem Fachkräftemangel begegnen will, muss genau hier ansetzen.