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SINUS: Wie wirtschaftlich eigenständig fühlen sich Frauen und Männer in Deutschland?
Die SINUS-Bevölkerungsstudie „Repräsentative Erkenntnisse zur wirtschaftlichen Eigenständigkeit von Frauen und Männern in Deutschland“, gefördert vom BMBFSFJ, zeigt auf, welche Vorstellungen, Erwartungen und Bedarfe Menschen zum Thema wirtschaftliche Eigenständigkeit haben.
Fast alle Menschen streben wirtschaftliche Eigenständigkeit an – doch nur etwa jede*r Zweite erreicht dieses Ziel. Besonders selten gelingt dies Frauen mit kleinen Kindern, Alleinerziehenden und Geringverdienenden – oft wegen Teilzeit und niedrigem Einkommen.
Männer schätzen ihre wirtschaftliche Eigenständigkeit im Durchschnitt höher ein als Frauen. Entscheidend für diese Einschätzung sind jedoch weniger Geschlechterunterschiede, sondern vielmehr Einkommen, familiäre Verpflichtungen und Arbeitszeit.
Besonders bemerkenswert ist: Obwohl diese Faktoren bei Menschen in Paarbeziehungen maßgeblich mit der Verteilung der Sorgearbeit untereinander und damit gegenseitiger Abhängigkeit korrelieren (dies ist aus anderen Studien bekannt), verbindet nur eine*r von hundert Befragten den Begriff der wirtschaftlichen Eigenständigkeit mit der Unabhängigkeit vom Partner bzw. der Partnerin.
Care-Verantwortung beeinflusst das Gefühl der Eigenständigkeit bei Männern kaum – bei Frauen dagegen deutlich, vor allem, wenn sie alleinerziehend sind oder kleine Kinder haben. Hingegen schränkt die Verantwortung für pflegebedürftige Angehörige die subjektive Eigenständigkeit von Frauen und Männern nicht oder nur geringfügig ein.
Vollzeitnah arbeitende Frauen fühlen sich gleichermaßen eigenständig wie Männer. In Partnerschaften, in denen der Mann Vollzeit und die Frau Teilzeit arbeitet oder nicht erwerbstätig ist, fühlen sich dagegen viele Frauen und auch viele Männer nicht ausreichend eigenständig.
Die Befragten sehen die wichtigsten Ansatzpunkte für eine Stärkung der wirtschaftlichen Eigenständigkeit von Frauen in der Arbeitswelt, in passenden Kinderbetreuungsangeboten und in der Förderung doppelter vollzeitnaher Erwerbstätigkeit in Lebensphasen mit Care-Arbeit. Ebenfalls unterstützt werden Maßnahmen zur Anpassung staatlicher Rahmenbedingungen, um traditionelle Geschlechterrollen zu überwinden.