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WSI: Frauen in Teilzeit sind häufiger erschöpft als Männer in Vollzeit
Wie entwickelt sich die Gleichstellung von Frauen und Männern auf dem Arbeitsmarkt? Wo gibt es Fortschritte – und wo bleiben strukturelle Ungleichheiten bestehen? Diesen Fragen widmet sich die aktuelle Untersuchung „Stand der Gleichstellung von Frauen und Männern in Deutschland: Fokus Sorgearbeit“ von Dr. Yvonne Lott (Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliches Institut (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung) sowie Svenja Pfahl und Eugen Unrau vom Institut für sozialwissenschaftlichen Transfer (SowiTra).
Die Studie wertet knapp 30 zentrale Indikatoren aus und gibt eine zusammenfassende Übersicht über den aktuellen Stand der Geschlechtergleichstellung in Bezug auf Erwerbs- und Sorgearbeit in Deutschland.
Ein Befund sticht dabei besonders heraus: Erwerbstätige Frauen in Deutschland sind deutlich häufiger nach der Arbeit zu erschöpft für private oder familiäre Aufgaben als Männer. Etwa jede zweite Frau ist betroffen, bei Männern nur gut ein Drittel.
Der Unterschied zeigt sich sowohl in Vollzeit als auch in Teilzeit. Selbst reduzierte Arbeitszeiten senken die Belastung von Frauen kaum: 42 Prozent der teilzeitbeschäftigten Frauen fühlen sich erschöpft – mehr als vollzeitbeschäftigte Männer (40 Prozent).
Als Hauptursachen gelten die ungleiche Verteilung von Erwerbs- und Sorgearbeit, der höhere Mental Load sowie frauendominierte, oft belastende Berufe. Besonders zwischen 30 und 49 Jahren steigt die Teilzeitquote von Frauen deutlich an – vor allem wegen Familiengründung und Kinderbetreuung.
Erwerbstätige Eltern arbeiten im Schnitt rund 60 Stunden pro Woche, allerdings unterscheidet sich die Zusammensetzung dieser Zeit deutlich: Bei Müttern entfallen rund 60 Prozent auf unbezahlte Sorgearbeit, bei Vätern hingegen rund 60 Prozent auf bezahlte Erwerbsarbeit.
Die Forscher*innen zeigen, dass sich die Gleichstellung von Frauen und Männern in Deutschland nur teilweise positiv entwickelt. Fortschritte gibt es vor allem bei Einkommen und Rentenansprüchen von Frauen. Bei der Erwerbsbeteiligung, den Teilzeitquoten sowie der Verteilung von Haus- und Sorgearbeit sind jedoch kaum Veränderungen erkennbar.
Trotz einzelner Fortschritte bleiben strukturelle Benachteiligungen bestehen. Für eine echte Gleichstellung müsse vor allem die ungleiche Verteilung von Sorgearbeit stärker berücksichtigt und Diskriminierung im Berufsleben konsequent abgebaut werden.