Der Gender Care Gap und seine Folgen
Stand: Juli 2025Factsheet
Der Gender Care Gap
Unter Sorgelücke bzw. Gender Care Gap ist der unterschiedliche tägliche Zeitaufwand für die Verrichtung unbezahlter Sorge- und Hausarbeit durch Frauen und Männer zu verstehen. Die gerechte Verteilung unbezahlter Sorgearbeit zwischen den Geschlechtern ist die Voraussetzung, um Frauen ein existenzsicherndes Einkommen und bessere berufliche Chancen zu ermöglichen. Für Männer werden dadurch mehr Spielräume eröffnet, sich stärker an der Sorge- und Hausarbeit zu beteiligen.
Sorgearbeit beinhaltet auch den sogenannten Mental Load. Damit ist die kognitive Belastung durch die unsichtbare Kopfarbeit für die Koordination des Familienalltags und für die Erfüllung der Bedürfnisse aller Beteiligten gemeint, die zu Dauerstress und Überlastung führen kann.
Quelle: Statistisches Bundesamt, Statistischer Bericht, Erhebung zur Zeitverwendung privater Haushalte 2022 (korrigierte Fassung vom 6.6.2025), eigene Darstellung
Der Gender Care Gap in Familien mit Kindern
Die Höhe der Sorgelücke wird von unterschiedlichen Faktoren beeinflusst. Ein wichtiger Faktor ist, ob im Haushalt Kinder leben. In heterosexuellen Paarhaushalten mit Kindern liegt der Gender Care Gap bei 57 Prozent. In Paarhaushalten ohne Kinder beträgt er 37 Prozent.
Erwerbskonstellationen in Paarhaushalten vor und nach der Familiengründung
Mit der Geburt des ersten Kindes findet häufig eine Traditionalisierung der Aufgabenteilung statt, die sich auch in späteren Lebensphasen kaum noch ändert. Die Mehrheit der Paare wechselt in ein Modell mit Vollzeiterwerbsarbeit des Vaters und Teilzeiterwerbsarbeit der Mutter mit unterschiedlichem Stundenumfang (das sogenannte Zuverdienst-Modell), das sich in vielen Paarbeziehungen dauerhaft verfestigt.
Quelle: WSI GenderDatenPortal, Erwerbskonstellation in Paarhaushalten 2024, S. 2, eigene Darstellung
Der Gender Pension Gap
Im Jahr 2024 erhielten Frauen in Deutschland im Durchschnitt ein um rund 37 Prozent niedrigeres eigenes Alterssicherungseinkommen als Männer (= Gender Pension Gap). Ursächlich dafür sind u. a. die hohen Teilzeitquoten und häufigeren Erwerbsunterbrechungen von Frauen aufgrund von Sorgearbeit sowie Einkommensunterschiede zwischen Frauen und Männern.
Quelle: Statistisches Bundesamt, Gleichstellungsindikatoren: Gender Pension Gap, 2025, eigene Darstellung
Diskrepanz zwischen Wunsch und Wirklichkeit bei Vätern hinsichtlich der Aufteilung der Kinderbetreuung
Viele Väter wünschen sich mehr Zeit mit der Familie, allerdings sind fast alle in Vollzeit erwerbstätig. Die für Sorge- und Hausarbeit zur Verfügung stehende Zeit ist dadurch klar begrenzt. Das zeigt sich beispielsweise bei der Aufteilung der Kinderbetreuung. Die Hälfte der Väter gibt laut aktuellem Väterreport an, etwa die Hälfte der Betreuung übernehmen zu wollen, tatsächlich tun dies jedoch nur 21 Prozent. Noch deutlicher fällt die Diskrepanz bei der Hausarbeit aus. Hier herrscht nach wie vor eine traditionelle Arbeitsteilung vor.
