Die 26 Mitgliedsorganisationen des Bündnisses Sorgearbeit fair teilen fordern, die im Koalitionsvertrag verankerten Maßnahmen zur Verringerung der Sorgelücke zügig umzusetzen und die Finanzierung hierfür sicherzustellen.

Ein Jahr nach Unterzeichnung des Koalitionsvertrages hat keine der darin verankerten Maßnahmen zur Verringerung der Sorgelücke den Status des Gesetzgebungsverfahrens erreicht. „Wenn das ambitionierte Ziel erreicht werden soll, bis 2030 die Gleichstellung zwischen den Geschlechtern herzustellen, dann müssen Maßnahmen, die die faire Verteilung der unbezahlten Sorge- und Hausarbeit zwischen Frauen und Männern voranbringen, prioritär behandelt und jetzt zeitnah umgesetzt werden“, schreiben die Bündnismitglieder in ihrem Offenen Brief an die politisch Verantwortlichen.

Die Einführung einer zweiwöchigen vergüteten Freistellung für Väter bzw. zweite Elternteile nach der Geburt des Kindes, der Ausbau der nicht übertragbaren Elterngeldmonate sowie die Erweiterung des elternzeitbedingten Kündigungsschutzes sind aus Sicht des Bündnisses ein notwendiges und sinnvolles Maßnahmenbündel, um die faire Verteilung von Erwerbs- und Sorgearbeit in der sensiblen Phase der Familiengründung zu unterstützen. Die Bündnismitglieder fordern, dafür die notwendigen Finanzmittel bereitzustellen. Auch weitere Maßnahmen, wie die Entgeltersatzleistung für Pflegezeiten oder das Gutscheinsystem für haushaltsnahe Dienstleistungen, gilt es wie geplant umzusetzen.

Den Offenen Brief des Bündnisses finden Sie hier.

Das ist das Ergebnis einer repräsentativen YouGov-Umfrage, wie das Bündnis Sorgearbeit fair teilen anlässlich seiner Fachtagung „Sorgearbeit – selbstverständlich weiblich? Close the Care Gap!“ am 9. November bekanntgab.

Auf die Frage, wie wichtig es ihnen sei, dass Frauen und Männer sich bezahlte Erwerbsarbeit und unbezahlte Sorgearbeit gleichmäßiger aufteilen, antworten 42 Prozent der Befragten mit „wichtig“ und 34 Prozent mit „sehr wichtig“.

„Für 76 Prozent der Deutschen ist die gleichmäßigere Verteilung von Erwerbs- und Sorgearbeit zwischen Frauen und Männern wichtig bis sehr wichtig. Das ist ein Handlungsauftrag an die Politik. Dem Ziel muss jetzt politische Priorität eingeräumt werden“, betonen die 26 Mitglieder des Bündnisses Sorgearbeit fair teilen.

Um der gleichmäßigeren Verteilung von Erwerbs- und Sorgearbeit zwischen den Geschlechtern näherzukommen, befürworten 51 Prozent der Befragten die Einführung einer Lohnersatzleistung für pflegende Angehörige, wenn diese ihre Erwerbsarbeit reduzieren oder für eine gewisse Zeit aussetzen. Weitere 41 Prozent fordern geschlechtergerechte und familienorientierte, flexible Arbeitszeitmodelle. 36 Prozent sprechen sich für staatliche Zuschüsse für die Inanspruchnahme haushaltsnaher Dienstleistungen aus.

„Wir fordern die Bundesregierung auf, die im Koalitionsvertrag verankerten Maßnahmen, die die faire Verteilung unbezahlter Sorgearbeit voranbringen, auf die politische Agenda zu setzen und schnellstmöglich umzusetzen“, unterstreichen die Bündnismitglieder.

Die verwendeten Daten beruhen auf einer Online-Umfrage der YouGov Deutschland GmbH, an der 2.053 Personen zwischen dem 18. und 20.10.2022 teilnahmen. Die Ergebnisse wurden gewichtet und sind repräsentativ für die deutsche Bevölkerung ab 18 Jahren.

Das Bündnis Sorgearbeit fair teilen wächst: Anfang Oktober hat sich die Mitgliederzahl von 13 auf 26 verdoppelt. Weitere Anträge auf Mitgliedschaft sind willkommen.

„Wir freuen uns, dass wir nach Erarbeitung solider Strukturen und Arbeitsweisen des Bündnisses nun 13 neue Mitglieder in unserer Runde begrüßen können“, so die Gründungsmitglieder des zivilgesellschaftlichen Bündnisses Sorgearbeit fair teilen im Nachgang einer Plenumssitzung, in der die Aufnahme beschlossen wurde. „Damit können wir Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft mit noch größerer Kraft für die gleichstellungspolitische Bedeutung der Sorgelücke zwischen den Geschlechtern sensibilisieren und uns gemeinsam politisch für ihre längst überfällige Schließung stark machen.“

Das Bündnis möchte sich breit aufstellen und ist offen für zivilgesellschaftliche Organisationen, Verbände und Netzwerke, die sich auf Basis eines gleichstellungsorientierten Selbstverständnisses für die faire Verteilung von Erwerbs- und Sorgearbeit und die Schließung der Sorgelücke zwischen den Geschlechtern einsetzen. Das Bündnis versteht sich als Netzwerk, das den Austausch und den gegenseitigen Transfer von Wissen pflegt und mittels Veranstaltungen, Positionierungen und gezielter Öffentlichkeitsarbeit Einfluss auf den politischen Diskurs nimmt.

„Wir freuen uns auf die Impulse der neuen Mitglieder und die weitere Zusammenarbeit im Bündnis“, so die Gründungsmitglieder.

Als neue Mitglieder im Bündnis werden begrüßt:

Bundesverband der Mütterzentren e.V.
Care.Macht.Mehr
Deutscher Verband Frau und Kultur e.V.
evangelische arbeitsgemeinschaft familie e.V. (eaf)
Forum katholischer Männer (FkM)
GMEI Gender Mainstreaming Experts International
Katholischer Deutscher Frauenbund e.V. (KDFB)
Katholische Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd) – Bundesverband e.V.
Männerarbeit der EKD
SKM Bundesverband e.V.
Sozialdienst muslimischer Frauen e.V. (SmF-Bundesverband)
Sozialverband Deutschland e.V. (SoVD)
Sozialverband VdK Deutschland e.V.

Die seit mehr als zwei Jahren andauernde Corona-Pandemie hat negative Folgen für die Gleichstellung mit gravierenden Auswirkungen auf Frauen: Unfreiwilliger Rückzug vom Arbeitsmarkt, Reduzierung der Erwerbsarbeitszeiten und chronische Erschöpfung aufgrund der Mehrfachbelastungen sind Krisenfolgen, die aktuell die Lebenssituation vieler Frauen prägen.

„Wir erwarten von den Gleichstellungs- und Frauenminister*innen der Länder, dass sie die Folgen, die sich für viele Frauen aus der Corona-Pandemie ergeben, ernst nehmen und sich für die faire Verteilung von Erwerbs- und Sorgearbeit zwischen Frauen und Männern stark machen. Wir erkennen darin eine zentrale gleichstellungspolitische Aufgabe“, so die Mitgliedsverbände des zivilgesellschaftlichen Bündnisses Sorgearbeit fair teilen im Vorfeld der Gleichstellungsminister*innen-Konferenz 2022.

Die bereits vor der Corona-Krise bestehenden Ungleichheiten zwischen den Geschlechtern drohen sich durch die Pandemie zu verfestigen bzw. zu vergrößern. Dem muss dringend entgegengewirkt werden. Strukturelle Rahmenbedingungen, die die ungleiche Verteilung von unbezahlter Sorge- und Hausarbeit zwischen den Geschlechtern begünstigen, müssen geändert und Anreize für die gleichberechtigte Aufteilung von Sorge- und Erwerbsarbeit gestärkt werden.

„Die im Koalitionsvertrag vereinbarten Maßnahmen, die die gerechtere Verteilung unbezahlter Sorgearbeit zum Ziel haben, müssen schnellstmöglich umgesetzt werden“, fordern die Bündnismitglieder.
Das Bündnis dringt darauf, zügig zehn Tage Freistellung für Väter bzw. zweite Elternteile rund um die Geburt mit vollem Lohnersatz einzuführen. „Zudem setzen wir uns für eine Entgeltersatzleistung für Pflegezeiten, die Ausweitung der individuellen, nicht übertragbaren Elterngeldmonate, die Abschaffung der Lohnsteuerklasse V und die Einführung einer Individualbesteuerung für alle, die öffentliche Förderung haushaltsnaher Dienstleistungen sowie für geschlechtergerechte und familienorientierte Arbeitszeitmodelle ein“, konkretisieren die Bündnismitglieder ihren Forderungskatalog.

Die politischen Forderungen des Bündnisses zur Bundestagswahl sowie die Bewertung des Koalitionsvertrags aus Sicht des Bündnisses sind unter dem Menüpunkt Materialien zu finden.

Vor dem Hintergrund von Equal Care Day, Equal Pay Day und Internationalem Frauentag veröffentlicht das Bündnis Sorgearbeit fair teilen seine Bewertung des Koalitionsvertrags. Trotz begrüßungswerter Vorhaben der Koalition sieht das zivilgesellschaft­liche Bündnis Defizite und fordert von der Bundes­regierung umfassendere Maßnahmen zur Schließung der Sorgelücke.

Frauen leisten noch immer täglich durchschnittlich 1,5 Stunden mehr Sorgearbeit als Männer. In der Pandemie hat die Belastung von Frauen noch einmal zugenommen. Von echter Chancengleichheit kann also keine Rede sein. Der Schlüssel zu einer geschlechtergerechten Zukunft liegt in der fairen Verteilung von Sorge-, Haus- und Erwerbsarbeit zwischen den Geschlechtern.

„Wir begrüßen das Bestreben der Koalition, in diesem Jahrzehnt die Gleichstellung von Frauen und Männern zu erreichen. Dies kann jedoch nur gelingen, wenn die Schließung der Sorgelücke zentrales politisches Ziel wird.“

Der Koalitionsvertrag macht mit der Einführung einer Entgeltersatzleistung für Pflegezeiten, der zehntägigen bezahlten Freistellung rund um die Geburt für Väter und zweite Elternteile sowie der öffentlichen Förderung haushaltsnaher Dienstleistungen aus Sicht des Bündnisses gleichstellungs- und familienpolitisch einen erkennbaren Schritt nach vorne, lässt aber einen umfassenden und konsistenten gleichstellungspolitischen Wurf vermissen.

Es fehlt ein Maßnahmenkatalog ohne Zielkonflikte, der Frauen und Männer gleichermaßen adressiert und ihnen ermöglicht, ein existenzsicherndes Einkommen zu erwirtschaften und gleichzeitig ihrer Sorgeverantwortung nachkommen zu können.

Besonders problematisch ist die vorgesehene Erhöhung der Mini- und Midijob-Grenzen auf 520 bzw. 1.600 Euro. Zwei Drittel der Minijober*innen sind Frauen. Die von der Koalition geplante Anhebung der Einkommensgrenzen führt zu einer Ausweitung dieser prekären Beschäftigungsverhältnisse, die dem Ziel der kurz- wie langfristigen eigenständigen Existenzsicherung von Frauen eklatant zuwiderläuft.

Nachbesserungsbedarf sieht das Bündnis u. a. auch beim Steuerrecht. Zwar ist die geplante Überführung der Steuerklassen III und V in das Faktorverfahren der Steuerklasse IV ein erster Schritt; dieser bleibt jedoch unzureichend. Notwendig ist die Einführung einer Individualbesteuerung mit übertragbarem Grundfreibetrag, um die existenzsichernde Erwerbstätigkeit von Frauen in einer Ehe zu fördern.

Die ausführliche Bewertung und die Forderungen der Bündnismitglieder an die Koalition sind online verfügbar.

Die Corona-Krise führt den gesellschaftlichen Wert von Sorgearbeit wie Pflege, Kindererziehung oder Hausarbeit einmal mehr vor Augen. Zugleich zeigt sie überdeutlich die problematischen Folgen der ungleichen Verteilung von Sorge- und Hausarbeit zwischen Frauen und Männern: Die Pandemie hat Überlastung, gesundheitliche Probleme und die Gefährdung beruflicher Existenzen vor allem bei Frauen verstärkt. Die Politik ist aufgefordert, in der neuen Wahlperiode sich abzeichnenden negativen Folgen für die Gleichstellung von Frauen und Männern aktiv entgegenzuwirken.
Welche Erkenntnisse zur Sorgelücke zwischen Frauen und Männer gibt es? Welche Maßnahmen sind – auch vor dem Hintergrund der Corona-Krise – notwendig, um den Gender Care Gap zu schließen? Und welche Wünsche haben Menschen mit Sorgeverantwortung an Politik und Verwaltung?

Das Bündnis Sorgearbeit fair teilen lädt zur digitalen Veranstaltung ein: Mittwoch, den 10.11.2021, 13 bis 16 Uhr.

Programm

Check-In: ab 12.30 Uhr

13.00 Uhr: Begrüßung

Zentrale Erkenntnisse des 9. Familienberichts für eine faire Verteilung der Sorgearbeit
Vortrag von Prof.in Dr. Michaela Kreyenfeld, Professorin für Soziologie an der Hertie School, Berlin und Mitglied der 9. Familienberichtskommission, und Dagmar Müller, Leiterin der Geschäftsstelle Neunter Familienbericht am Deutschen Jugendinstitut

Maßnahmen zur Verringerung der Sorgelücke: Ergebnisse des Gender Care Gap Projekts
Interview mit Katrin Lange, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Sozialarbeit und Sozialpädagogik (ISS)

Möglichkeit für Nachfragen

PAUSE

Moderiertes Gespräch mit Statements von Vertreter*innen aus Verwaltung und Wissenschaft sowie von Menschen mit Sorgeverantwortung: Sven Paul (BMFSFJ), Prof. Dr. Barbara Thiessen (Hochschule Landshut, Initiative Care.Macht.Mehr) sowie Marianne Nickl, Louisa Jakoby und Marius Marwede (Kronsberger)

Austausch mit dem Publikum

Resümee und Verabschiedung

16.00 Uhr: Ende der Veranstaltung

Moderation der Veranstaltung: Simone Schmollack, Ressortleitung taz.de/Regie

Die Veranstaltung wird in digitaler Form durchgeführt. Sie erhalten kurz vor der Veranstaltung von uns den Link für die Teilnahme.

Die Anmeldung ist bis zum 5.11.2021 unter Angabe des Namens, der Organisation und der E-Mail-Adresse unter kontakt@sorgearbeit-fair-teilen.de möglich.

Wir freuen uns, wenn Sie unser digitales Fachgespräch redaktionell berücksichtigen und/oder in Ihren Veranstaltungskalender aufnehmen.

Das zivilgesellschaftliche Bündnis Sorgearbeit fair teilen wendet sich zu Beginn der Koalitionsverhandlungen an die verhandelnden Parteien und fordert einen gleichstellungspolitischen Aufbruch für die faire Verteilung unbezahlter Sorgearbeit, damit Frauen über den gesamten Lebensverlauf ein existenzsicherndes Einkommen erwirtschaften können und Männer mehr Sorgearbeit übernehmen.

Die Bündnismitglieder fordern, die gerechte Verteilung von unbezahlter Sorgearbeit zwischen Frauen und Männern als eigenständiges Ziel im Koalitionsvertrag zu benennen und konkrete Maßnahmen zur Schließung der Sorgelücke zu vereinbaren. Strukturelle Hürden, die der gleichen Verteilung von Sorge- und Hausarbeit zwischen Frauen und Männern entgegenstehen, sind abzubauen und gezielt Anreize für eine faire Verteilung zu setzen. Konkret fordert das Bündnis eine Entgeltersatzleistung für Pflegende, zehn Tage voll bezahlte Freistellung rund um die Geburt für Väter bzw. zweite Elternteile, die Ausweitung der nicht übertragbaren Elterngeldmonate sowie die Einführung einer Individualbesteuerung.

Den vollständigen Text des Appells finden Sie hier.

Das Bündnis

Das im Sommer 2020 gegründete zivilgesellschaftliche Bündnis „Sorgearbeit fair teilen“ setzt sich für die geschlechtergerechte Verteilung unbezahlter Sorgearbeit im Lebensverlauf ein. Seine 13 Mitgliedsverbände haben sich zum Ziel gesetzt, Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft für den Gender Care Gap und seine Auswirkungen zu sensibilisieren und sich für die Schließung der Sorgelücke einzusetzen.

Pünktlich zu den Bundestagswahlen 2021 launcht das zivilgesellschaftliche Bündnis Sorgearbeit fair teilen seinen Onlineauftritt und appelliert an die Parteien: Schluss mit dem Aussitzen – die Politik muss endlich den Weg für einen gleichstellungspolitischen Aufbruch und die gerechte Verteilung von Sorgearbeit ebnen!

In Sachen Geschlechtergerechtigkeit hakt es an allen Ecken und Enden. Spätestens in der Corona-Krise mag dies wohl kaum noch jemand bestreiten. Ein Kernproblem ist und bleibt die ungleiche Verteilung von Sorge- und Hausarbeit zwischen Frauen und Männern.

Who cares? Der sogenannte Gender Care Gap liegt nach wie vor bei 52 Prozent – bei heterosexuellen Paarhaushalten mit Kindern sogar bei 83 Prozent. Diese gravierende Sorgelücke hat erhebliche Folgen und führt unter anderem dazu, dass vielen Frauen nicht im gleichen Maße wie Männern Zeit und Kraft zur Verfügung stehen, einer eigenen existenzsichernden beruflichen Tätigkeit nachzugehen. Gleichzeitig wird von Männern immer noch erwartet, die Rolle des Familienernährers zu übernehmen, sodass ihnen für Sorge- und Hausarbeit zu wenig Zeit bleibt.

Das Bündnis Sorgearbeit fair teilen bringt es auf den Punkt: Wer Gleichberechtigung will, muss an der gerechten Verteilung unbezahlter Sorgearbeit ansetzen. Allen Menschen muss unabhängig von ihrem Geschlecht ermöglicht werden, ihren Lebensunterhalt zu erwirtschaften und zugleich ihren Sorgeverpflichtungen nachkommen zu können. Dafür müssen strukturelle Hürden abgebaut werden, die die gleiche Verteilung von Sorge- und Hausarbeit verhindern.

Close the Gap! Das Bündnis nimmt die Parteien in die Pflicht, wirksame Maßnahmen zu ergreifen, um die Sorgelücke zu schließen. So fordern die 13 Mitgliedsorganisationen des Bündnisses die Politik auf, eine zehntägige Freistellung für Väter bzw. zweite Elternteile rund um die Geburt mit vollem Lohnersatz einzuführen. Die Freistellung unterstützt die partnerschaftliche Arbeitsteilung in den Familien von Anfang an.

Auch beim Steuersystem sieht das Bündnis dringenden Handlungsbedarf. Das Ehegattensplitting setzt starke Anreize für ein Familienmodell aus Hauptverdiener und Hausfrau bzw. „Zuverdienerin“. Die Bündnismitglieder fordern von der Politik, die Lohnsteuerklasse V endlich abzuschaffen und eine Individualbesteuerung einzuführen.

Die sechs Forderungen des Bündnisses an die Parteien zur Bundestagswahl 2021 sind ab sofort online verfügbar. Auch das im Gründungsstatut zusammengefasste Selbstverständnis und die Ziele des Bündnisses sind auf der Website zu finden.

Sorge- und Erwerbsarbeit müssen – unabhängig von Geschlecht, Herkunft, Familienform, sexueller Orientierung oder sozialem Status – als selbstverständliche Elemente weiblicher wie männlicher Lebensverläufe begriffen und möglich gemacht werden, ohne dass dies zu individueller Überforderung führt. Dies hat sich das Bündnis zum obersten Ziel gesetzt.

Das Bündnis

Das im Sommer 2020 gegründete zivilgesellschaftliche Bündnis „Sorgearbeit fair teilen“ setzt sich für die geschlechtergerechte Verteilung unbezahlter Sorgearbeit ein. Seine 13 Mitgliedsverbände haben sich zum Ziel gesetzt, Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft für den Gender Care Gap und seine Auswirkungen zu sensibilisieren und sich für die Schließung der Sorgelücke einzusetzen.

Frauengesundheitstag, 28. Mai: Die Pandemie entlarvt zunehmend die anhaltende Ungleichheit der Geschlechter; und verstärkt sie gleichzeitig. So führt die Corona-Krise zu einer Verschärfung der sogenannten Sorgelücke. Druck und Mehrfachbelastung steigen für Frauen im erheblichen Maße. Dies hat nicht nur zu Folge, dass Frauen unter Erschöpfung und Burnout leiden, sondern führt auch dazu, dass ihre finanzielle Existenzsicherung gefährdet ist.

Mehr als 15 Monate Corona-Pandemie bleiben nicht ohne Konsequenzen – die vielfach zu Lasten von Frauen gehen. Geschlossene Kitas und Schulen sowie der Wegfall von anderen externen Betreuungsmodellen stellen Mütter vor eine Zerreißprobe, die sich kaum mit einer existenzsichernden Erwerbstätigkeit und persönlichen Bedürfnissen vereinbaren lässt. So haben die Lebenszufriedenheit und das Wohlbefinden von Müttern, insbesondere von Müttern mit jungen Kindern, deutlich abgenommen wie aktuelle Daten aus der COMPASS-Befragung belegen. Frauen geben bei Umfragen häufiger eine hohe Belastung an als Männer. Neben Alleinerziehenden sind pflegende Angehörige besonders stark betroffen. So sieht das Bündnis Sorgearbeit fair teilen auch im Bereich der Angehörigenpflege keinerlei Anzeichen für eine ausgewogene Aufteilung der Pflegearbeit. Im Gegenteil: Die Unterstützung Pflegebedürftiger war schon vor der Pandemie unzureichend, in der Krise ist es zu einer weiteren Verschlechterung der Situation gekommen. Dies betrifft vor allem Frauen, die täglich vor der schwierigen Herausforderung stehen, Pflege und Beruf unter einen Hut zu bekommen, ohne dabei selbst auszubrennen. Im Bereich Kinderbetreuung und Hausarbeit zeichnet sich zwar zumindest zeitweise eine ausgewogenere Aufteilung zwischen den Geschlechtern ab, die vor allem auf Faktoren wie mobiles Arbeiten von Zuhause oder Kurzarbeit zurück zu führen ist. So haben diese (temporären) Maßnahmen teilweise zu einer größeren Beteiligung von Männern an Sorgearbeit geführt. Doch auch wenn das Bündnis diese Tendenz begrüßt und für einen Ausbau der positiv wirkenden Rahmenbedingungen plädiert, kann momentan (noch) nicht von einem anhaltenden Trend Richtung Gleichberechtigung die Rede sein. Vielmehr führen die Instrumente zu Eindämmung der Pandemie dazu, dass der Anteil der Familien, in denen die Frauen Kinderbetreuung und Hausarbeit fast vollständig alleine übernehmen, zugenommen hat. Hier scheint es sogar Beharrungstendenzen zu geben. Eine Entwicklung, die es wachsam zu beobachten gilt. Die Corona-Krise bringt die grundsätzliche Problematik des Ungleichgewichts bei der Verteilung der Sorgearbeit in Deutschland klar auf den Tisch: Frauen schultern den Hauptteil der privat geleisteten unbezahlten Sorgearbeit. Die bloße Rückkehr zum Status Quo vor Corona kann daher nicht Ziel politischer Maßnahmen sein. Vielmehr braucht es einen gleichstellungspolitischen Aufbruch! Das Bündnis Sorgearbeit fair teilen fordert die Politik auf, sich die gerechtere Verteilung von Erwerbs- und Sorgearbeit zwischen Frauen und Männern zum Ziel zu setzen. Die Instrumente zur Förderung der gleichberechtigen Aufteilung von Sorge- und Erwerbsarbeit in den verschiedenen Sorgebereichen müssen ausgebaut werden. Wir pochen auf Maßnahmen, die die stärkere Beteiligung von Vätern an der Kindererziehung sowie von Männern an der Pflege fördern. Zudem müssen strukturelle Rahmenbedingungen, die eine ungleiche Verteilung der Sorgearbeit begünstigen, verändert werden; so fordern wir u.a. Veränderungen im Steuersystem. Das Bündnis Das zivilgesellschaftliche Bündnis „Sorgearbeit fair teilen“ setzt sich für die geschlechtergerechte Verteilung unbezahlter Sorgearbeit ein. Seine 13 Mitgliedsverbände haben es sich zum Ziel gesetzt, Politik, Wirtschaft und Gesellschaft für das Thema und die Auswirkung des so genannten Gender Care Gaps zu sensibilisieren und die Sorgelücke zu schließen.